Freitag, 14. September 2007

Kuta - die Partyhölle

Ach du große Güte!!! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll! Der Tag hatte so gut begonnen, unsere Indonesisch-Prüfung ist gut gelaufen, wir haben uns in Nusa Dua super relaxt und nen Starbucks-Kaffee hab ich auch bekommen... Quasi die besten Voraussetzungen für einen super Abend. Denkste!

Kathi und Tanja haben mich ja schon vorgewarnt, dass Kuta nur so von Großraumdiskos wimmelt, aber ich dachte, London und meine neue Vorliebe fürs Freudenhaus in Deggendorf waren eine gute Schule, also rein ins aufregende Nachtleben Balis.

Es ist Lauras Geburtstag und nach einem ausgiebigen WarmUp im großen Mädlshaus gehts in vier Taxen nach Kuta. Und was erwartet uns da: Lärm, Dreck und betrunkene Touristen. Erster Stop: Bounty. Nach dem bekannten (Piraten?)schiff. Geht gar nicht. House, Techno, Tanzkäfige, Schaumparty und Billig-Liter-Cocktails. Oh und: betrunkene Touristen, die dir zur Begrüßung erstmal an den Hintern gehen, genau mein Fall! Gleich mal klar gemacht, dass ich hier auf gar keinen Fall bleibe und zum Glück geht es mehreren so und wir ziehen um ins Mbargo. Auch eine Disko, aber sauber und weniger Menschen. Auch die Musik scheint auf den ersten "Blick" ganz ok zu sein: R&B, geht immerhin zum Tanzen.

ABER: hier wie im Bounty (und in allen anderen Clubs an der Haupt-Partymeile Kutas) gilt: freier Eintritt für Touristen und 5.000Rupiah für Einheimische (Monatsgehalt: 250.000Rupiah im Durchschnitt). Wo gibts denn sowas? Also echt! Und drinnen, überraschts mich echt, ein kleiner Caipi für umgerechnet €5,50. Hallo??? Welcher Balinese sollte sich das denn bitte leisten können?
Dementsprechend waren auch nur Touris da, die sich betrunken zur Wumm-Wumm-Musik schunkeln und alle möglichen Mädls anlabbern, angrabbschen, ansabbern und ein Nein nicht in ihrem Wortschatz einordnen können...
Weils hier also auch nicht so dolle is, suchen wir nach einer Bar, in der die Musik UND die Leute UND die Preise stimmen.

Fehlanzeige, was wir dafür bekommen: auch auf der Straße übelst Laute Musik (denn alle Diskos sind nach außen hin offen), hunderte von Taxifahrer die uns ihre Dienste aufzwingen wollen (und ich meine wirklich aufzwingen: nachrufen, am Ärmel zupfen, am Arm ziehen,...), Straßenverkäufer (genauso lästig), Drogendealer (weniger auffällig, zwecks Todesstrafe auf Drogenhandel) und am aller aller schlimmsten: bettelnde Mütter mit ihren Kindern. Und das hat mir echt den Rest gegeben. Junge Mütter mit ihren Neugeborenen Babies auf den Armen und ihre kleinen Kinder (2-5 Jahre) die die GANZE Nacht (und das mein ich wirklich so) mit aufgehaltener Hand rumlaufen und den Touristen versuchen Geld abzuluchsen: sie fragen dich erst, ob du ihnen was gibst (das verneinst du schweren Herzens, denn gibst du einem Kind was, dann stehen sofort 100 andere vor dir, die das sehen und auch was abhaben wollen), dann laufen sie dir nach (und zwar richtig weit, wenns sein muss bis zum nächsten Club), sie berühren dich am Arm (noch schlimmer, die kleinen Finger und die zarte Haut zerbrechen einem echt das Herz) und am heftigsten: ein kleiner Junge greift mir unterm Gehen in meine rechte Jeanstasche vorne, weil er dachte, da sei mein Geld drin, ist dann aber nur meine Hausschlüssel (das Geld ist links) und ich merks dann zum Glück und er ist augenblicklich verschwunden. Ich kann einfach nicht fassen, dass die Mütter ihre kleinen Kinder nachts auf die Straße zum Betteln schicken, bzw. dass die Stadt einfach so tatenlos dabei zusieht. Unglaublich!

Ich habe auf jeden Fall genug von dieser Stadt, ich will nur noch weg! Zum Glück finden sich genug Leute, die das auch so sehen und wir nehmen uns ein Taxi nach Hause.
Dann, gleich nach 2 Minuten Fahrt ein riesen Knall: vor meinem inneren Auge seh ich einen Schuss, einen geplatzten Reifen und schließlich realisiere ich: das war was Metallisches. Unser Fahrer fängt auch schon an zu zetern und macht bei nächster Gelegenheit einen U-Turn: parallel zu uns ist ein Unfall: zwei Roller sind zusammen gestoßen. Der Fahrer des einen Rollers lag nicht bei seinem Gefährt, allerdings bietet sich uns beim zweiten Roller ein grauenvoller Anblick: auf dem Roller waren drei Leute gesessen und lagen reglos und verdreht auf der Straße. Grauenvoll! Wir fragen unseren Fahrer warum er nicht anhält, und er meint nur so, das gehe ihn und uns nichts an und fährt weiter. Auch Passanten gehen nur zögerlich auf die Unfallstelle zu. Unfassbar, in Deutschland würden sofort alle versuchen zu helfen.
Im Wagen herrscht betretene Stimmung.

Drei Tage später sollten wir erfahren, dass sich am Tag davor ein ähnlicher Unfall ereignet hat: auch nachts in Kuta ist eine deutsche Studentin des Dortmunder Kampus in Denpasar frontal mit einem Auto zusammen gestossen und später im Krankenhaus an einer Lungenembolie gestorben...
Man darf den Verkehr hier auf Bali wirklich nicht unterschätzen. Aber zum Glück ist sich das auch jeder von uns bewusst, und alle fahren vernünftig und wir geben gegenseitig auf uns Acht. Ich würde auch niemals in der Nacht nach Kuta fahren, denn es gibt einfach zuviele betrunkene Idioten, die trotzdem aufs Mofa steigen... Da nehmen wir immer brav ein Taxi, das für jeden weniger als eine Euro kostet ;-) Also, keine Sorgen, ich pass auf mich auf (gell Mama!!!)

2 Kommentare:

Tanja hat gesagt…

Hey Verena,

Kuta ist meiner Meinung nach nur nach 2 großen Goldfischgläsern voller Cocktails zu ertragen.

Mein Tipp:

Fahr nach Seminyak erst ein feines italienisches Häppchen in der Trattoria (kennt jeder Taxifahrer) und dann ab zum Nobel-Wellen-Anschauen ins Kudeta! Da gefällts dir bestimmt.

Sei fest umarmt.

Tanja

Kathl hat gesagt…

Hi Verena!

... da kann ich Tanja nur zustimmen!
Lieber ein gemütlicher Abend in der Trattoria (bestes Restaurant auf Bali; gute Preise! Hmmmm... leckerli!) und danach ab ins Kudeta zum entspannen!
Kuta ist echt die Hölle!

Liebe Grüße
Kathi W.