Dafür hab ich im Bus zum Flieger schon die erste Begegnung mit der englischen Hilfsbereitschaft und Offenheit gehabt: zwei ältere Damen haben mir immer aufmunternd zugenickt und mich angelächelt...
Mit der bereits erwähnten Hilfsbereitschaft gings dann aufm Weg zum Hotel gleich weiter. Wir (meine Schwester und ich, die netterweise mitgekommen ist für die erste Woche!) hatten die erste Stufe der Treppen meistens noch net mal erreicht (die meisten U-Bahn-Stationen in London haben weder Rolltreppen noch Aufzüge!), da hat sich schon der erste englische Gentleman angeboten: "May I help?" Natürlich durfte er! Schließlich hatten wir zwei Koffer, einer davon wog 32kg, und etlich Taschen. Was man halt so alles für ein halbes Jahr London braucht ;-) Und das ist in meinem Fall zumindest einiges... (hab ich schon erwähnt, dass ich fünf Kilo Übergepäck zahlen musste? Obwohl ich 40kg zur Verfügung hatte, weil ja meine Schwester mit geflogen ist...) Naja gut, sie mussten sich ganz schön plagen und ich zweifle stark, dass sie sich auch in Zukunft immer gleich so selbstlos anbieten!? :-)
Ja, da waren wir also. In Earl's Court, am wohl billigsten Hotel am Platz. 20 Pfund die Nacht in Zone 1, das findet man so schnell nirgends...
Das wir in ein Hotel gehen, war aber eigentlich gar nicht geplant, und das bringt mich direkt zur Geschichte über meine Begegnung mit der Patin der irischen Zimmer-Mafia:
Über die Rekrutierungsfirma, mit der ich auch den Arbeitsvertrag für mein Praktikum abgeschlossen hab, bin ich mit Bridie D. (merkt euch den Namen und hütet euch vor ihr!) in Kontakt gekommen. Ich könnte ein Zimmer für 100 Pfund pro Woche in ihrem Haus haben. Allerdings erst zum 1.3., weil es da erst frei würde. Bis dahin würde sie mich bei ihrer Freundin unterbringen. Klingt ja alles vielversprechend, dachte ich.
Jaha, bis ich angefragt habe, ob es wohl möglich wäre, dass meine Schwester die erste Woche mit bei mir wohnen könnte. Da kam dann gleich mal ein klares Nein, weil in dem Zimmer nur ein single-bed steht (80-90cm, bei uns). Das nächste Mal, dass ich die liebe Frau wieder ans Telefon gekriegt hab, war dann einen Tag vor meinem Abflug. Und da hab ich nochmal gefragt, ob das nicht doch gehn würde, wir bringen auch einen Schlafsack und ne Isomatte mit. Wieder ein Nein und ich hab da dann zum ersten Mal erfahren, dass ich für das Zimmer bei ihrer Freundin auch 100 Pfund pro Woche zahlen müsste, und das meine Schwester für 15 Pfund pro Nacht in einem Zimmer in der Nachbarschaft unterkommen könnte. Aha, dacht ich: "Freundin", alles klar... Gut, am Abflugtag am Morgen hab ich dann beim Court Hotel angerufen und uns für zwei Nächte eingebucht, nachdem ich am Abend zuvor in weiser Voraussicht mal ein paar Zimmerangebote im Internet durchstöbert und Besichtigungstermine ausgemacht habe.
Im Hotel angekommen, rief ich Bridie erneut an, um ihr mitzuteilen, dass wir nicht kommen würden, weil meine Schwester, da sie nicht wirklich gut Englisch spricht, bei mir bleiben möchte und ich uns deshalb ein Hotelzimmer gebucht hab.
Oh weh! Da wurde sie gleich unfreundlich und hat mich angemacht, weil sie schließlich grad für unser Abendessen einkauft und unsere Zimmer bei ihren "Freundinnen" schon fest gebucht sind. Und sie diese aus ihrer Tasche zahlen muss, wenn wir nicht kommen!
Fest gebucht? Was? Davon war zuvor nie die Rede gewesen! Hab ich ihr gleich mal gesagt. Schließlich hieß es immer, sie "bringt uns dort unter". Entschuldigung, aber hab ich irgendeine Reservierung unterschrieben oder mündlich mitgeteilt? Nein, hab ich nicht.
Die Hexe wurd dann gleich so aubrausend, dass mir ganz Angst und Bange wurde, und ich mich schon mit meinen Koffer zurück zum Flughafen schippern sah...
Ach ja, und mein Zimmer bei ihr im Haus, hab ich ja auch schon fest zugesagt, meinte sie! WAS HAB ICH??? Alles klar, da wusste ich, die zieht mich übern Tisch.
Ich hab dann sofort meine Kontaktperson bei der Rekrutierungsfirma angerufen. Und was sagt der??? Na, was ich da anstelle, schließlich wollen sie mir doch alle nur helfen und mir meinen Einstieg ins Londoner Leben einfachen machen wollen. So, da hab ich dann auch kapiert, dass die beiden sich wohl die Studenten gegenseitig zuschustern, und von seiner Seite auch keine Hilfe zu erwarten war (obwohl er am Abend zuvor noch von der irischen Zimmer-Mafia gesprochen hat, ha!) .
Gut, mit den Nerven am Ende (was für ein erster Tag in London!) hab ich die irische Hexe wieder angerufen und gesagt, dass wir unsere Sachen wieder einpacken und zu ihr fahren und die Zimmer doch nehmen, und das ich dann halt auf dem voraus bezahlten Hotelzimmer sitzen bleib. Aus irgendeinem Grund hab ich ihr zum Glück erzählt, ich hätte das Hotel für eine Woche bezahlt. Weil: nachdem ich schon bei der Hotelrezeption war und das Zimmer zurückgegeben hab (hätte nur noch die Hälfte vom Geld zurückbekommen), hat sie mich nochmal angerufen und gemeint, wir sollen im Hotel bleiben, weil sie nicht will, dass das dumme Küken vom Land, also ich, 200 Pfund verliert, denn sie kennt sich in London schließlich aus, und das Hotel würde mir mein Geld nicht zurück geben... Wie großzügig! Wir sollten dann am Abend trotzdem zu ihr kommen, damit ich mir das Zimmer anschauen kann (das ich ja eigentlich eh schon zugesagt hab???) und wir uns einigen, was mit den zwei Zimmern passiert, die sie für uns gebucht hat...
Also sind wir dahin. In den Londoner Norden. Du meine Güte, ich dacht wir sind in der Bronx gelandet... Ein Viertel, in dem ich mich nach Einbruch der Dunkelheit sicher nicht mehr auf die Straße getraut hätte! Und das scheußlichste, runtergekommendste Haus am Platz, war natürlich ihrs! Bäh!
So, beim Essen hat sie mich ständig durch die Blume wissen lassen, was für ein naives, unwissendes, in ihr Unheil rennendes Mädchen vom bayerischen Land ich doch bin... Was besseres als sie könnte mir schließlich gar net passieren! Ums kurz zu machen: sie war mir von Grund auf unsympathisch und hat von mir am Ende vom Abend 70Pfund Entschädigung für die zwei Zimmer wollen. Ich hab gesagt, ich lass es mir durch den Kopf gehen und meld mich bis zum nächsten Abend. Dann durft ich noch einen Blick in "mein" Zimmer werfen, aber erst nachdem sie ein riesen TamTam drum gemacht hat, dass sie nicht in die Zimmer von ihren Untermietern ohne deren Erlaubnis geht (sie wisse schließlich, was sich gehört - ach ja?) und derjenige war natürlich nicht da... Also wurde rumtelefoniert und die Erlaubnis eingeholt. Bei der Gelegenheit konnte sich Carina mit einem anderen Untermieter unterhalten (Sebastian aus Nürnberg), der sie dann unmissverständlich hat wissen lassen, dass er an meiner Stelle auf keinen Fall einziehen würde, aus den offensichtlichen Gründen.
Gut, am nächsten Tag hab ich ihr auf den AB gesprochen, dass ich ihr Zimmer nicht haben will, und das sie die 70Pfund nur gegen eine Quittung bekommt.
Das Ende vom Lied: ich wohn jetzt in einem schönen viktorianischen Haus im Süden von London, in einer WG mit zwei anderen deutschen Mädels und einer dritten Person, die wir im Moment grad noch suchen (also, falls jemand Interesse hat...!). Mein Zimmer is schön groß, hat einen Kamin (den ich leider aus Sicherheitsgründen net anzünden soll *g*), ein double-bed, eine große Flügeltür in den Garten (jaha!) und einen Teppichboden, schließlich sind wir ja in England ;-)
Ach ja, ich mach am besten schnell ein paar Bilder...:
So dala, soweit mein erster Eintrag.
By the way:
Wer mich in irgendeiner Form kontaktieren will, der kann das gerne mit einer der folgenden Möglichkeiten machen:
im Blog: einfach Kommentar zu einem Post hinterlassen
per email: wie gewohnt, oder an: verena.knauf@sbac.co.uk (schau ich aber nur während der
Arbeit rein....
per Handy: da mein deutscher Vertrag für ein Jahr still gelegt ist, hab ich nur noch
eine englische Nummer, die da wäre: 0044-7925-641112
per Telefon: wir haben auch ne Festnetznummer: 0044-20-84882327, da erreicht man mich
unter der Woche für gewöhnlich ab halb neun (deutsche Zeit) und am WE, wenn
ich da bin... (keine Scheu, einfach anrufen, gehn eh nur Deutsche ran *g*)
ach ja: bei http://www.teltarif.de/festnetz/tarifrechner.html kann man schauen, was grad der günstigste Tarif hierher ist, meistens sogar weniger als 1 cent/minute, also echt günstig!!!
auf dem Postweg: Verena Knauf, 24 Blagdon Road, London SE13 7HL
oder auch halt im Studi....
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