Zuerst hat ich mal wieder Ärger mit meiner Fastvermieterin, denn die wollte endlich ihre 70 Pfund, die sie ja angeblich für die zwei Zimmer zahlen musste, die sie für mich und Carina „gebucht“ hatte... Die Quittungen die ich dafür bekommen hatte, könnt ihr auf dem Bild sehen. Noch jemand außer mir, der zweifelt, dass die echt sind? Bitte Hand hoch! Naja, an dem Tag wo ich dann einen Scheck für sie dabei hatte, den ich Jorge mit geben wollte, hab ich die ganze Horrorgeschichte meiner Kollegin Lucy erzählt, mit der ich Mittags in der Stadt unterwegs war. Die war dann ganz außer sich vor Wut auf die Irin, dass diese versucht hat mich da abzuzocken und hat mich gewarnt, dass sie ihr das Geld bzw den Check nicht geben würde, weil das geradezu nach Betrug stinkt... Zurück im Büro hat sie dann gleich mal meinen Chef und seine Sekräterin eingeweiht und die haben dann gleich bei meiner Vermittlungsfirma angerufen und sich beschwert, da ich nicht die erste Praktikantin bin, die mit der Irin Schwierigkeiten hatte. Ums kurz zu machen, mein Chef hat meiner Vermittlungsfirma klar gemacht, falls sie weiterhin für die Vermittlung von Studenten zuständig sein wollten, dann sollten sie es hinkriegen, dass ich das Geld nicht bezahlen muss. Daraufhin, haben die dann bei der Irin angerufen und gemeint, wenn sie weiterhin Studenten für ihre Zimmer weitervermittelt haben will, dann lässt sie mich in Ruhe und verlangt das Geld nicht von mir. Das Ende vom Lied, ich hab mir das Geld gespart! Was Bürotratsch alles bewirken kann! ;-)
Auf den ganzen Stress hin, waren wir am Freitag mit den Kollegen gleich mal weg abends. Erst in nem „Pub“ (hier heißt alles Pub was Bier ausschenkt...). War voll schön da, total nett eingerichtet. Schön rot! Das Bier war auch okay, hab mich an ein französisches gehalten: Stella Artois. Da hab ich dann gleich mal gelernt wie man richtig Bier bestellt. Nämlich: Da man in Kneipen in England ja nicht bedient wird, sondern selber an der Bar bestellt, geht immer einer der Gruppe und holt für alle was zu trinken, und bezahlt das dann auch. Wenn alle mehr oder weniger ausgetrunken hat, geht der nächste. Aha, wusst ich net und so wurd ich den ganzen Abend mit Getränken überhäuft und hab nie bezahlt, schätze ich bin dann nächstes Mal dran, mit ner Runde schmeissen... Hui, ganz schön teuer auf einmal... Naja gut. Und der Wortlaut: „Could I have a Stella, please?“ oder auch kürzer „a Stella, please“. Bestellt man so: “Could I have a glass of Stella please?” kriegt man nur ein Limoglas voll und keinen pint wie es sonst üblich ist. Danke an meine Kollegin Sarah, die mir das alles geuldsam erklärt hat. Was ich noch lernen durfte: Das Kleeblatt auf dem Guiness-Schaum heißt Shamrock, nach dem Nationalsymbol der Iren, ein dreiblättriges Kleeblatt. Das schnöde Kleeblatt an sich heißt allerdings: cloverleaf. Ein vierblättriges Kleeblatt: four leaves clover. Aha! Und weil wir schon bei der Lehrstunde sind: der Bierschaum heißt ganz einfach nur: head. Ja, da sind sie wohl ein bißchen einfallslos die Engländer. Und weil die Sarah es ganz besonders gut mit mir gemeint hat, wollte sie mir noch was ganz tolles beibringen, sagen nämlich alle jungen Leute im UK: „Cool“. Na, da musste ich sie leider enttäuschen und sagen, das wird das schon lange vor denen entdeckt hatten... ;-) Aber war echt ein superwitziger Abend. Die Frau eines Kollegen, die recht gut Deutsch spricht, wollte von mir dann wissen, was „Entsorgung“ bedeutet, weil sie das in keinem Wörterbuch findet, da hab ich ihr gleich mal LEO empfohlen, denn das kennt ja schließlich alles. Vorläufig haben wir uns dann mal auf „disposal“ geeinigt. Ja, und weil einer meiner Kollegen (der zweitjüngste nach mir) seinen 23. Geburtstag an dem Tag feierte, wollte ein Teil noch weiter in einen Club am Oxford Circus. Und weil die Verena schon ganz schön angedüdelt von ihren zwei Stellas war, hat sie sich breit schlagen lassen mit zu kommen, obwohl sie keinen blassen Schimmer hatte, wie sie von dort in der Nacht wieder heim kommt... Der gute Peter hat aber gemeint, er sorgt dafür, dass ich meinen letzten Zug um Mitternacht noch bekomme. Also sind wir dann in diesen Club. Und ich kann mit Freude verkünden, dass (zumindest dieser) sich nicht im Geringsten von den Deutschen Clubs unterschieden hat. Gleiche Einrichtung, gleiche Musik, gleiche Getränke (Becks), nur alles halt ein bißchen teurer: Garderobe: 3€. Na hey, was solls. War echt lustig, und ich lass die Bilder einfach mal für sich selbst sprechen. Und wie es sich gehört (und ich hab mich da an K7-Zeiten zurückversetzt gefühlt) hab ich rechtzeitig um halb zwölf das Etablisment verlassen um meinen Diskobus, äh, Zug zu erwischen... ;-)
Ja und heute da sind wir nach Camden Town gefahren. Meine Mitbewohnerinnen hatten gemeint, das lohnt sich, das is so ein bißchen das Indie Viertel mit vielen jungen Leuten. Oh Backe! Das war der reinste Wahnsinn! Schon an der U-Bahnstation hat es nur so von jungen Leuten gewusselt, und zwar alle Sparten: Normalos, Indies, Punks, Gothics, Metall, Raver, Transen, und alles andere, für das ich keine Bezeichnung weiß ;-)
Und dann waren auch gleich schon lauter bunte und übervolle Geschäfte auf beiden Straßenseiten, in denen es alle möglichen und unmöglichen Arten von Klamotten, Taschen, Schuhen, Schmuck, Möbeln, Shishas, Wandtepppichen und sämtlichen anderen Krimskrams gab. Und auch zig Tatöwierungsstudios (allerdings frag ich mich echt, wer sich da tätowieren lässt!?!) und vor allem: Essen. In allen möglichen Variationen. Ich hab noch nie soviele Stände mit Essen aus allen möglichen Winkeln der Welt angetroffen wie dort. Wenn man dann die Straße verlässt in einen der Camden Markets, dann kommt man auf viele verwinkelte Gassen, an dem ein Stand an den anderen gereiht ist und dort alles mögliche feilgeboten wird. Indonesisch, Indisch, Marokanisch, Türkisch, Chinesisch, Sushi, und vieles mehr und unter anderem auch das:
Ich hab natürlich gleich mal nachgefragt, ob die Herrschaften auch wirklich aus Bayern sind, und das waren sie tatsächlich auch, nämlich aus Moosburg! Total nett, hab dann gleich gemeint, ich schau mal vorbei, sobald sich das erstemal Heimweh einstellt und dann dürfen sie mich mit einem Teller Schupfnudeln trösten!
Aber nicht nur das Essen, auch die Klamotten, Schuhe und Taschen sind einfach der Oberhammer! Total stylisches Zeug und da ist garantiert für jeden Geschmack was dabei! Da reiht sich ein Indie-Laden an einen Stylo-Klamottenshop, der an einen Raverschuppen, der wiederum an einen Gothik-Laden, wo sie supercoole Korsagenkleider verkaufen, der nächste Stand is dann für die Öko-fraktion mit lauter Leinenklamotten, wo einen der Verkäufer mit „God bless you“ verabschiedet. Total faszinierend, und jetzt kommt das Sahnehäubchen: die Preise: total günstig, wenn man das mit dem Rest von London vergleicht, ich würd sogar sagen, H&M- und noch billigere Preise. Also echt spitze. Ich werd mir sämltiche Privatklamotten dort kaufen sobald das erste Gehalt eingetrudelt ist, und schon mal an meine sämtlichen Besucher: so wenig wie möglich im Koffer mit rüber bringen, damit ihr so viel wie möglich wieder mit heim nehmen könnt. Allerdings sind auch die Postpreise relativ human, von daher wer heimschicken auch kein Problem ;-)
Im Übrigen hab ich mit Absicht keine Bilder von den Läden und den Marktständen gemacht, weil kein Foto dieser Welt der Atmosphäre gerecht werden könnte, deshalb: mich besuchen kommen und selbst erleben!!!
In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal!
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